Yes, we can, yes we do! HAK-Schüler auf Abwegen oder Kann man unternehmerisches Denken mit sozialer Verantwortung lernen?
Mit dem Schultyp „Handelsakademie“ assoziieren die meisten Menschen langweilige Buchhaltung, angehende Spießer und eine gewisse menschliche Kälte. Schließlich muss man sich ja in der Welt der Wirtschaft ordentlich durchsetzen können. Alles Blödsinn, fanden die Brüder Martin und Michael Obritzberger und erfanden sich und ihre Schulkollegen/kolleginnen einfach neu…
Dass die Schüler/innen der Schumpeter-Handelsakadmie Wien 13 mehr drauf haben, als den Lehrplan zu erfüllen, bewiesen sie am 30. Juni 2009 im Gehörloseninstitut BIG Maygasse 25. Unter dem Motto „Wir für Violetta“ fand an diesem Abend ein Charity-Event zugunsten eines 15-jährigen Schmetterlingskindes (umgangssprachlich für Patienten einer äußerst schmerzhaften Hauterkrankung) statt. Mit der Unterstützung von Fr. Mag. Erika Hammerl konnten die „Gebrüder Obritzberger“ ein ansprechendes und abwechslungsreiches Programm zusammenstellen.
Vom türkischen Volkstanz, Rappern und den „Balkanboys“ bis hin zu einem Klavierstück von Chopin, einer Rede des stellvertretenden Schulsprechers und einem von Christoph Prinz interpretierten Westlife-Song war für jeden Geschmack etwas dabei. Der absolute Highlight des Abends war allerdings das Kabarett-Programm „Doppelgänger“ von den „Obi-Brothers“, eine Parodie auf LehrerInnen und Prominente.
Das Programm selbst dauerte circa 45 Minuten und wurde völlig eigenständig auf die Beine gestellt. Es strotzte voller witziger Pointen, karikierte die dargestellten Personen perfekt. Mit feiner Klinge und scharfem Witz resümierten sie über das Leben in der Schule.
Ihre großartige Beobachtungsgabe gepaart mit genialer Darstellung ließen diesen Abend äußerst kurzweilig vergehen. Das Brüderpaar begeisterte LehrerInnen, Eltern als auch SchülerInnen gleichermaßen.
Doch nicht nur die Lachmuskeln des Publikums wurden gestärkt; auch Violettas Mutter strahlte übers ganze Gesicht als der Scheck über 1500 € übergeben werden konnte. Durch das Engagement der Künstler und der Großzügigkeit der Spender konnten für Violetta Anschaffungen getätigt werden, die ihren Alltag erheblich erleichtern.
Entrepreneurship-Education - für viele ein unverständlicher Zungenbrecher, ist jedoch in Wirklichkeit ein komplett neues Unterrichtskonzept, das unternehmerisches Handeln und Denken mit sozialem Gewissen verknüpft. Es zielt darauf ab, die „Mentale Software“ positiv in Richtung Proaktivität zu verändern. Entrepreneurship-Education als Unterrichtsprinzip und als ökonomische Ausbildungsphilosophie verbindet Allgemeinbildung mit Wirtschaftswissen und vor allem Verantwortung und Kreativität, es ist ideal geeignet für den fächerübergreifenden Unterricht und ist das gemeinsame Arbeiten an Haltungen und mehr als „Unternehmensgründung“.
Im Jahr 2000 an der Schumpeter-Handelsakademie in Wien 13, Maygasse 43 begonnen, dient es heute als Vorbild für eine neue Ausrichtung aller Handelsakademien in ganz Österreich, nachdem dieses Konzept gemeinsam mit der Wirtschaftsuniversität Wien entwickelt und 5 Jahre lang wissenschaftlich evaluiert wurde, ein in Österreich einzigartiger Vorgang.
Dass die SchülerInnen und AbsolventInnen gelernt haben, verantwortungsvoll und eigenständig zu handeln, zeigt sich in unzähligen Projekten. Dieses Event sticht jedoch besonders hervor: Die Idee dafür kam von dem Brüderpaar selbst, was für ihre soziale Kompetenz spricht. Eigenständigkeit und Handlungsfähigkeit gepaart mit sozialer Verantwortung entspricht genau unseren Vorstellungen von „entrepreneurship-education“ und ist der Beweis, dass ein förderndes Umfeld sehr viel verändern kann!
Mag. Erika Hammerl (Lehrerin) Antonia Zeman (Schülerin) |